Stefan Koppelkamm
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Nächtliche Ansichten einer riesigen Baustelle zeigen eine unübersichtliche Welt aus Maschinen, Leitungen und Gerüsten, die uns wie eine moderne Entsprechung von Piranesis Carceri vorkommen. Erst bei genauerem Hinsehen werden die zukünftigen Strukturen erkennbar.

Hinter den Rastern transparenter Fassaden sehen wir Büroangestellte, Politiker und Hotelgäste. Arbeit und Freizeit finden auf offener Bühne statt. Nichts bleibt den Blicken der Passanten verborgen.

Wie die Propagandabilder totalitärer Systeme stellen riesige Werbeflächen die gewohnten Maßstäbe auf den Kopf. Monumentale, meist weibliche Körper lassen Häuser und Menschen klein erscheinen. Von oben herab nehmen sie Blickkontakt mit den Passanten auf. Die Fotografien dieses Buchs sind ein visueller Kommentar zu unserem urbanen Lebensstil. Entstanden sind sie in Berlin – ähnliche Bilder lassen sich jedoch überall finden: Die Gebäude sind ebenso austauschbar wie die monumentalen Bilder von Sex und Konsum, die weltweit die Städte dominieren.

Monologe aus Roland Schimmelpfennigs Theaterstück Push Up 1–3 ergänzen die Fotografien von Stefan Koppelkamm. Hier kommen die Bewohner dieser Welt zu Wort: Menschen, die sich den Leitbildern von Erfolg und Schönheit bedingungslos unterworfen haben.

Stefan Koppelkamm, Screening.
Mit Texten von Roland Schimmelpfennig.
Edition Axel Menges, Stuttgart / London.
96 Seiten, Großformat 26 x 36 cm.
Text deutsch / englisch. Euro 39.90

Fotos aus dem Buch